Zwischenevaluierung der Förderphase 2014-2020

Hintergrund

Die Lokale Aktionsgruppe Delitzscher Land und das Regionalmanagement haben zu Beginn der Förderperiode verschiedene Ziele formuliert und die sogenannte LEADER-Entwicklungsstrategie für das Delitzscher Land erarbeitet. Im Zuge der Überprüfung der Erreichung dieser Ziele wurde eine Zwischenevaluierung zur Halbzeit der aktiven Förderperiode durchgeführt.
Die Zwischenevaluierung bezieht sich auf den Daten- und Erkenntnisstand vom 31.12.2018. Sie hat zum Ziel, die Angemessenheit der Ziele der LES und der Methode zur Erreichung der Ziele der LES zu überprüfen und wurde durch das Regionalmanagement erstellt. Neben der Auswertung der eingereichten Vorhaben und Aktualisierung regionsbezogener Daten, wurde eine schriftliche, standardisierte Befragung der Mitglieder des Entscheidungsgremiums (EG), der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) sowie des Vereins Delitzscher Land e.V. durchgeführt. Ergebnisse der Evaluierung wurden in zwei Veranstaltungen vorgestellt, diskutiert und weitere Handlungsschritte abgeleitet.

Zusammenfassende Ergebnisse

Etappen der LEADER-Förderung

Die Umsetzung der LEADER-Entwicklungsstrategie im Delitzscher Land erfolgte insbesondere in den Jahren 2016-2018, also zwei Jahre nach dem eigentlichen Beginn der Förderperiode. Vorangestellt war ein Erstellungsprozess der LEADER-Entwicklungsstrategie unter breiter Beteiligung unterschiedlichster Akteure in der Region.
Der Umgang mit dem Aufrufsystem und der Handhabung der eigenen Entwicklungsstrategie inkl. Auswahlkriterien stellte einen stetigen Lernprozess dar und mündete in zahlreichen Anpassungen der LES. Dieser umfangreiche administrativ-bürokratische Aufwand band große Kapazitäten in der Region, insbesondere beim Regionalmanagement, welches selbst Kapazitätsschwankungen ausgesetzt war.

Handlungsfelder und Projekte

Das Budget in der LAG Delitzscher Land konnte entsprechend der Vorgaben (80 % Budget­unter­setzung bis Ende 2018) mit 77 % des Gesamtbudgets gut gebunden werden. Auch die gesetzten Monitoring-Indikatoren für 2020 konnten in der überwiegenden Anzahl von Maßnahmen bereits jetzt und zum Teil sehr deutlich übererfüllt werden.
Die Vorhabenstandorte sind im Großen und Ganzen geographisch ausgewogen in der Region verteilt und es konnten unterschiedlichste Antragsteller zum Zuge kommen.
Die befürworteten Projekte sind entsprechend der Prioritätensetzung gut auf die einzelnen Handlungsfelder der LES verteilt. Lediglich die eigentlich hoch priorisierte Maßnahme M4.1 „Touristische Infrastruktur & Angebote“ ist hinsichtlich Budgetbindung, Beitrag zu den entsprechenden Zielen sowie Erfüllung der Indikatoren unterrepräsentiert.
Ein sehr klarer Schwerpunkt wurde im Bereich investiver Vorhaben gesetzt, die überwiegend lokal wirken. Ausbaupotenzial ist bei innovativen Vorhaben, Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements sowie in den Bereichen Vernetzung, Kooperation und Komplexität der Vorhaben zu vermerken.
Mit acht Kooperationen ist die LAG Delitzscher Land insbesondere in viele gemeinsame touristische Vorhaben mit benachbarten LEADER-Regionen eingebunden. Überregionale oder gar transnationale Kooperationen sind unterrepräsentiert bzw. nicht vorhanden. Demgegenüber steht die LAG mit eigenen Vorhaben für eine aktive Projektarbeit innerhalb der eigenen Gebietskulisse.

Prozessbewertung

Insgesamt sind die befragten Akteure aus LAG, EG und dem Delitzscher Land e.V. mit dem LEADER-Prozess in der aktuellen Förderphase zu 90 % eher zufrieden, vereinzelt auch sehr zufrieden. Als besonders fördernden Faktor wird die Arbeit des Regionalmanagements gesehen. Aber auch die vielfältigen Förderbereiche, also eine breit aufgestellte LEADER-Entwicklungsstrategie, gute Öffentlichkeitsarbeit und ein hohes Engagement der Beteiligten wurde mehrfacht genannt.
Auf Seiten der hemmenden Faktoren wurde insbesondere der sehr umfangreiche bürokratische Aufwand, zu lange Bearbeitungszeiten und eine zu umfangreiche Antragstellung bemängelt.
Weiterhin lässt sich zusammenfassen, dass seitens der befragten Akteure die momentane Aufgabenverteilung und Organisation des LEADER-Prozesses in der Region als weiterhin tragfähig und gut eingeschätzt wurde. Hierbei fallen ein Großteil der Aktivitäten dem Regionalmanagement zu, dem jedoch mehrfach ein gutes Zeugnis ausgestellt wurde.
Abschließend bleibt anzumerken, dass die Prozessbewertung einseitig von Mitgliedern der LAG, des EG und des Delitzscher Land e.V. erfolgte und es sich somit teilweise um eine Selbsteinschätzung der aktiv oder passiv eingebundenen Akteure handelt. Die Rückmeldungen von Vorhabenträgern wurden aufgrund der bislang sehr geringen Anzahl abgeschlossener Vorhaben und der geringen Rückmeldung der Befragung dieser Gruppe nicht berücksichtigt.

Gesamtbewertung

Bewertung der Angemessenheit der Ziele der LES:
Die LES ist hinsichtlich der gesetzten Ziele breit aufgestellt, anhand der bisherigen Budgetuntersetzung werden allerdings klare Schwerpunkte in der Entwicklung des Delitzscher Landes aufgezeigt. Diese liegen vor allem im Bereich der Dorfentwicklung mit besonderem Gewicht auf Wohnen, Versorgung und bürgerschaftlichem Engagement (Handlungsfeld 2).
Vor dem Hintergrund der sich in den letzten Jahren gewandelten demographischen Entwicklungen und stark steigenden Baukosten scheint eine aktive, durch Fördermittel flankierte, Unterstützung der Schaffung von (privatem) Wohnraum im Delitzscher Land nicht mehr angebracht. Dies stellt eine Veränderung im Vergleich zur Ausgangslage bei der Er-stellung der LES dar.
Weiterhin steht zur Diskussion, ob die Entwicklungsarbeit in der Region auch weiterhin auf jene Themen fokussiert wird, die bislang sehr gut nachgefragt wurden und durch die Mitglieder des EG, der LAG und des Vereins auch weiterhin als unterstützenswert eingeschätzt werden. Als alternative Vorgehensweise würde sich anbieten, genau jene Themen stärker in den Fokus zu nehmen, die bislang wenig nachgefragt wurden.
Bei der Klausurtagung am 9.1.2019 wurde sich dafür ausgesprochen, die Ziele der LEADER-Entwicklungsstrategie nicht grundlegend zu ändern, da diese durch einen breit a-gelegten Beteiligungsprozess im Rahmen der LES-Erstellung legitimiert wurden. Allerdings sollen bestimmte Fördertatbestände nicht mehr mit Budget untersetzt werden. Dies betrifft zum einen die Förderung von privater Wohnraumsanierung (s.o.) und Themen, die weniger nachgefragt wurden (z.B. alternative Mobilitätskonzepte). In den Handlungsfeldern 4 und 5 soll der Schwerpunkt ausdrücklich auf nicht-investive Fördertatbestände gelegt werden. Diese Entscheidung erfolgte auch vor dem Hintergrund zahlreicher Projektideen, die in den vergangenen Monaten weiter qualifiziert wurden und eine Umsetzung ohne Fördermittel fragwürdig erscheint. Eine Fokussierung der Arbeit in bisher unterr-präsentierte Zielbereiche ist nicht beabsichtigt.

Bewertung der Methode zur Erreichung der Ziele der LES:
Der Förderrahmen der aktuellen Förderphase mit dem Aufrufsystem und größeren Steuerungs- und Gestaltungsmöglichkeiten auf Ebene der LAG forderte zu Beginn der Umsetzungsphase zunächst einige Kapazitäten in der Region ab. Auch durch die vielen Änderungen der LES und ein gewachsenes Maß an Bürokratie wurden viele Kräfte, insbesondere im Regionalmanagement gebunden. Zeit, die fehlte, um manche Themen in der Region umfassender entwickeln zu können – beispielsweise im Tourismus oder im Beriech nachhaltige Mobilität) Dies zeigte sich in der Charakterisierung der befürworteten Projekte (kaum nicht-investiv, innovativ oder komplex).
Insgesamt wird der Prozess durch die beteiligten Akteure im Delitzscher Land als gut bis sehr gut bewertet. Es gibt gut funktionierende Strukturen und die Arbeit des Regional-managements wurde sehr positiv gespiegelt. Dieses trägt einen Großteil des Prozesses. Gleichzeitig gibt es noch Potenzial bei der aktiveren Einbindung von Mitgliedern der LAG, des Delitzscher Land e.V. oder darüber hinaus. Durch eine größere Zahl involvierter Akteure ließen sich umfassendere Projekte entwickeln und realisieren, die eine größere und breitere Wirkung in der Region entfalten könnten. Dies würde dem Bottom-up-Ansatz des LEADER-Gedankens weiter Rechnung tragen.